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21.04.2020

Wie ziegen?hnliche Gorale im Himalaja besser geschützt werden k?nnen

Forscher der Universit?t Tübingen schlagen vor, den Tieren in Südostasien mehr offene Graslandschaften als Lebensraum zu bieten

Darstellung des heutigen Lebensraums des Südlichen Seraus
Darstellung des heutigen Lebensraums des Südlichen Seraus (Capricornis sumatraensis) in Thailand.

Der Graue Goral, der Chinesische Goral und der Südliche Serau, drei Arten, die zu den ziegenartigen Tieren z?hlen, leben heute in hochgelegenen Gebieten und Bergw?ldern Südostasiens. Nun ergab eine neue Studie, dass dies wom?glich nicht ihre bevorzugten Lebensr?ume sind, sondern dass es sich um ihre letzten, weniger geeigneten Rückzugsorte handelt. Darauf deuten Untersuchungen zur Lebensweise früherer Populationen der Gorale und Seraue vor einigen Hunderttausend bis Zehntausend Jahren hin. Die Studie wurde unter der Leitung von Dr. Kantapon Suraprasit von der Chulalongkorn University in Thailand und der Universit?t Tübingen sowie Professor Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universit?t Tübingen durchgeführt. Um die gef?hrdeten und teilweise vom Aussterben bedrohten Gorale besser zu schützen, empfehlen die Wissenschaftler, ihre Restbest?nde ins offene Tiefland zu verlagern. Die Studie wurde in der Zeitschrift Frontiers in Ecology and Evolution ver?ffentlicht.

Das Forschungsteam untersuchte Z?hne von früheren Populationen der Gorale und Seraue mit einem Alter von 400.000 bis 6.000 Jahren aus fünf Fossilienfundst?tten in Thailand: Pha Bong, Khok Sung, Tham Wiman Nakin sowie den H?hlen Tham Lod und Ban Rai. Isotopenanalysen von Kohlenstoff und Sauerstoff am Zahnschmelz sind anerkannte Verfahren, um indirekt mehr über die Ern?hrung und Lebensweise fossiler und heutiger Tiere zu erfahren. So lagert der Zahnschmelz bei Bl?tterkost von B?umen andere Kohlenstoffisotope ein als bei Gras als haupts?chlichem Futter.

Die Isotopenmessungen ergaben, dass der Südliche Serau (Capricornis sumatraensis) im Pleistoz?n ein Generalist war. ?Diese Art ern?hrte sich sowohl von Bl?ttern als auch Gras. Sie kam offenbar mit verschiedenen Lebensr?umen wie W?ldern und Grasland zurecht“, sagt Kantapon Suraprasit. Die heutigen Populationen des Südlichen Seraus lebten nur noch in hochgelegenen W?ldern. Die Messergebnisse zeichnen für das Leben des Grauen Gorals (Naemorhedus goral) und des Chinesischen Gorals (Naemorhedus griseus) im Pleistoz?n ein anderes Bild: ?Wir waren überrascht, dass diese beiden Arten sich ganz überwiegend von Gras ern?hrten und wohl nur in offenen Landschaften vorkamen“, sagt der Wissenschaftler. Heute f?nden sich die Gorale in niedrig bis hochgelegenen Bergw?ldern, an steilen H?ngen und Felsklippen oder in extrem hohen Berggraslandschaften bis zu 3.000 Meter über dem Meeresspiegel.

Verdr?ngung durch den Menschen

?Die Klima?nderung im Frühen Holoz?n bewirkte, dass es in Thailand mehr Niederschl?ge gab und sich mehr geschlossene W?lder ausbildeten“, nennt Hervé Bocherens einen Faktor, der zum Wechsel des Lebensraums und dem Aussterben der Gorale in Thailand beigetragen haben kann. Doch halten die Wissenschaftler die Einflüsse des Menschen für gravierender. ?Die Jagd auf Gorale, die landwirtschaftliche und kommerzielle Nutzung ihrer ursprünglichen Lebensgebiete in den Niederungen führten zum Rückgang der Populationen. Die restlichen Tiere waren gezwungen, sich in das heutige Nepal und Bhutan in h?here Lagen des Himalajas zurückzuziehen“, sagt Bocherens.

Die Best?nde und Ausbreitungsgebiete sowohl der vom Aussterben bedrohten Grauen Gorale als auch der gef?hrdeten Chinesischen Gorale n?hmen immer schneller ab. Die Erkenntnisse der pal?ontologischen Forschung müssten nun bei ihrem Schutz Anwendung finden, sagen die Wissenschaftler. Die negativen Einflüsse menschlicher Aktivit?ten müssten reduziert und ein neuer Schutzplan für die Gorale mit Zugang zu grasbewachsenen Gebieten im Tiefland ausgearbeitet werden.

Publikation:

Kantapon Suraprasit, Jean-Jacques Jaeger, Rasmi Shoocongdej, Yaowalak Chaimanee, Athiwat Wattanapituksakul and Hervé Bocherens: Long-Term Isotope Evidence on the Diet and Habitat Breadth of Pleistocene to Holocene Caprines in Thailand: Implications for the Extirpation and Conservation of Himalayan Gorals. Frontiers in Ecology and Evolution. https://dx.doi.org/10.3389/fevo.2020.00067 

Kontakt:

Kantapon Suraprasit, PhD
Chulalongkorn University – Department of Geology
Universit?t Tübingen – Fachbereich Geowissenschaften – Pal?obiologie
suraprasitspam prevention@gmail.com 

Prof. Dr. Hervé Bocherens
Universit?t Tübingen
Fachbereich Geowissenschaften – Pal?obiologie
Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)
 Telefon +49 7071 29-76988
herve.bocherensspam prevention@www.breewood.com 

Pressekontakt:

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Forschungsredakteurin
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Judith J?rdens
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